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Wellensittich (Melopsittacus undulatus)

Der Wellensittich (Melopsittacus undulatus) erfreut sich einer großen Beliebtheit. Der Bestand wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf 10 Millionen Vögel geschätzt. Es ist ein quirliger, flinker und intelligenter Vogel, von dem eine gewisse Anziehungskraft ausgeht. Liebevoll wird der kleine Papagei Welli genannt und ist als Clown der Lüfte bekannt. Zwar ist er als Fluchttier scheu, doch kann er schnell gezähmt werden und wird somit zum idealen Freund für einen Abschnitt im Leben.

In den letzten Jahren ist die Zahl der Haustiere ständig gewachsen, die Gründe dafür sind recht unterschiedlich. Schätzungsweise besitzen 2,6 % der Deutschen einen Vogel, ein Großteil davon wird der schlanke Australier sein. Die Tendenz der Heimtierhaltung vom Wellensittich ist dabei zunehmen. Gründe einen Wellensittich zu halten sind vielfältig, unkomplizierte Haltung und Pflege, einfache und kostengünstige Ernährung, minimaler Platzbedarf und der Halter muss mit einem Wellensittich nicht Gassi gehen. Trotz der Verbreitung dieser Haustiere, ist das Grundlagenwissen bei vielen mangelhaft oder es sind veraltete Ansichten über den Wellensittich.

Wellensittich Steckbrief

Die Cha­rak­te­ris­tik des kleinsten australischen Papageis

Systematik vom Wellensittich
Heimat:Australien (weltweit als Heimvogel)
Lebensraum:Halbwüsten, Gras-, Buschland und Steppen
Lebensweise:in großen Schwärmen
Aussehen (Urform):Grün mit gelber Maske
Körperlänge:18 – 24 cm
Gewicht:30 – 40 Gramm
Lebenserwartung:bis 14 Jahre
Zoologischer Steckbrief vom Melopsittacus undulatus
Klasse:Aves (Vogel)
Ordnung:Psittaciformes (Handfüßler)
Familie:Psittacidae (Papageien)
Unterfamilie:Psittacinae (Echte Papageien)
Gattungsgruppe:Platycercini (Plattschweifsittich)
Gattung:Melopsittacus (Singender Papagei)
Art:Melopsittacus undulatus (Wellensittich)

Warum heißt der Wellensittich: Wellensittich?

Der Wellensittich bekam seinen Namen, durch die Wellenzeichnungen am Kopf, den Rücken und den Flügel. Diese wurde vom wissenschaftlichen Namen „Melopsittacus undulatus“ abgeleitet. Die wörtliche Übersetzung bedeutet: Singpapagei mit Wellenlinien. Die Aborigines nennen den Wellensittich: Budgerigar. Was so viel wie „gutes Essen“ bzw. „hübscher Vogel“ bedeutet.

Weltweite Aussprachen des Wellensittichs:

  • Englisch: budgerigar, budgie, parakeet
  • Spanisch (Español): periquito
  • Filipino (Tagalog): maikling loro
  • Fanzösisch (français): perruche ondulée
  • Hindi (India): बजरीगर (bajarigar)
  • Chinesisch: 虎皮鹦鹉 (hǔ pí yīngwǔ)
  • Holländisch: grasparkiet
  • Japanisch: セキセイインコ (sekiseīnko)
  • Norwegisch: undulat
  • Polnisch: papużka falista
  • Italienisch: pappagallino ondulato
  • Russisch: волнистый попугайчик (volnistyĭ popugaĭchik)
  • Arabisch: طائر الطيب
  • Koreanisch: 잉꼬 (ingkko)
  • Türkisch: muhabbetkuşu
  • Tschechisch: andulka
  • Ungarisch: Hullámos papagáj

Wissenschaftler können sich bei der Einordnung nicht so recht entscheiden. Während einige den Wellensittich in die Gattung das Grassittiche (Neophema) und Nacht Papageien (Pezoporus) einordnen. Haben andere Wissenschaftler neue Studien in Verbindung mit DNA Analysen durchgeführt und ordnen den Wellensittich zu den Loris (Loriini) und den Feigenpapageien (Cyclopsittini) ein. In Fachbücher über den Wellensittich gehen Vogelexperten immer noch auf die Einordnung von George Shaw von 1805 ein.

Natürlicher Lebensraum vom Wellensittich

Der Schwarmvogel aus Australien

Der wildlebende Wellensittich ist eine faszinierende und erfolgreiche Spezies. Trotz der rauhen und trockenen Bedingungen, hat die Art bereits 5.000.000 Jahre überlebt. Als ein Nomadenvogel zieht der Wellensittich in Gruppen, bis zu 60 Tieren, durch die weiten Lebensräume von Australien auf der Suche nach Nahrung und Wasser. Die nicht sesshafte Lebensweise der Vögel ist durch die klimatischen Bedingungen des Kontinents zu erklären.

Der Lebensraum mit den extremen klimatischen Verhältnissen ist eigentlich ein lebensfeindlicher Raum. Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius, Sandstürme und weitere Naturphänomene prägen die Landschaft. Und doch schafft es der Wellensittich sich den schwierigen Verhältnissen anzupassen. Kilometerweite Flugstrecken legt der Wellensittich hinter sich, um eine Wasserstelle und Futter zu finden. Nicht selten schließen sich für die Flugstrecken vielen tausend Vögel zusammen.

Riesiger Schwarm von Wellensittichen im Grasland Austraien

Das richtige Plätzchen für diese Vogelart, ist eine üppige Grasslandschaft mit alten Eukalyptusbäumen zum Brüten und eine Wasserstelle in der Nähe. Ist so ein Platz gefunden, beginnt der Wellensittich mit der Balz und dem Ausbau der Bruthöhlen.

Stimmen die Bedingungen beginnt der Fortpflanzungszyklus der Sittiche. Ein Wellensittichweibchen beginnt kurz darauf mit der Brut von vier bis sechs Eier. Wildlebende Sittiche brüten weder in der Hitze des Sommers, noch während der Monsunzeit in Australien. Diese Zeit wird für die Mauser genutzt. Da die Temperaturen in den australischen Wüsten fallen während der Winterzeit unter dem Gefrierpunkt, auch dieser Zeitpunkt wäre für den Nachwuchs ungünstig.

Trotz der Veränderungen der Umweltbedingungen, noch der natürlichen Feinde, ist der Vogel in seiner Art nicht gefährdet. Ein starkes soziales Band umschließt den Schwarm, bei der Futtersuche ist immer ein Wellensittich äußerst wachsam und warnt bei drohender Gefahr. Bevorzugt werden Eukalyptusbäume, Akazien und hohes Buschwerk als Schlaf- bzw. Nistplätze. Die zunehmende Weidewirtschaft in Australien, in dem viele Viehtränken errichtet worden sind, verbesserten die Überlebensmöglichkeiten der kleinen Papageien. Wellensittiche können allerdings auch einige Tage ohne Wasser überleben und seinen Durst mit Hilfe eines Tautropfens stillen. Eine Rangordnung gibt es bei den Sittichen nicht, hier gilt das Motto: „Der Stärke hat immer recht und bekommt als erstes“.

Aufgrund der steigenden Bevölkerung in Australien und die Zerstörung des Lebensraumes, wurden 10.000 Brutpaare in Japan, Brasilien und in Korea eingeführt. Die klimatisch guten Bedingungen sorgen auch dafür, dass die Ansiedelung von Wellensittichen in Florida (USA) erfolgreich war.

Entdeckung vom Wellensittich

Die Geschichte vom kleinen Papagei, der die Welt eroberte

Die Geschichte der Wellensittiche beginnt im Buch “Zoology of New Holland”. Hier wurde der Wellensittich durch den Zoologen George Shaw 1794 zum ersten Mal erwähnt. Entdeckt wurde der Vogel bereits 1792 durch Thomas Watling, welcher als Strafgefangener nach Australien deportiert wurde. Eine wissenschaftliche Beschreibung des Wellensittichs (Melopsittacus undulatus) folgte im Jahr 1805 unter dem Namen, Psittacus undulatus. Dieses wurde im Buch “The Naturalist’s Miscellany” festgehalten.

Charles Darwin brachte vermutlich die ersten lebenden Exemplare nach England. Worauf der Vogelexperte John Gould eine Reise nach Australien unternahm. Durch eine Vogelausstellung im Jahr 1850 in Antwerpen wurde der Wellensittich in ganz Europa bekannt. Etliche Vögel wurden nach Europa importiert, bis 1884 die australische Regierung ein Exportverbot erlassen hatte. Schnell stellten sich in Europa die ersten Zuchterfolge ein und mittlerweile gibt es rund 100 Standard Farbschläge, welche von Zuchtverbänden anerkannt werden.

Entdeckung des Wellensittichs

Seit der Entdeckung und der Zucht ab 1850 hat sich nicht nur die Farbe der Vögel geändert. Wesentliche Unterschiede der Wildform (Urform) und der gezüchteten Wellensittiche.

EigenschaftWildformZuchtform
GefiederGrün mit gelber Maske violette Bart-, Wangenflecke Wellenzeichnung am Kopf, Rücken und FlügelVerschiedene Farben und unterschiedliche Zeichnungen
Größe16 bis 20 Zentimeter16 bis 24 Zentimeter unterschiedliche Größen durch Form des Wellensittichs
Gewicht30 Grammbis zu 60 Gramm

Die Zootomie vom Wellensittich

Der Aufbau des Wellensittichkörpers (Anatomie)

Wellensittiche sind mit ihrer Zootomie, Anatomie bei Tieren, perfekt an das Leben in der Luft angepasst. Mit ihren 2.000 bis 3.000 Federn, die ständig gepflegt werden und sich regelmäßig erneuern, der kräftigen Muskulatur und den leichten Körperbau, durch Hohlknochen, können die Vögel weite Strecken hinter sich bringen.

Hinweis
  • Herz-/Lungensystem – das Herz schlägt zwischen 300 – 600 mal in der Minute, dabei holt ein er 75 – 95 mal Luft
  • Temperatur – die Körpertemperatur liegt bei 40° Celsius
  • Geruchssinn – der Geruchssinn ist nicht sonderlich ausgeprägt
  • Geschmackssinn – ist dagegen sehr gut. Wellensittiche unterscheiden süß-sauer, bitter und salzig
  • Sehfähigkeit – ist hervorragend beim Wellensittich ausgebildet.
  • Vibrationsfähigkeit – schon äußerst kleine Vibrationen kann der Sittich spüren.
  • Kopfdrehung – Ein Wellensittich kann seinen Kopf um 180 Grad drehen.

Äußere Merkmale eines Wellensittichs

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Äußere Merkmale beim Wellensittich - Zootomie (Anatomie)
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Wachshaut mit Nasenlöcher

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Schnabel, bestehend aus Ober- und Unterschnabel

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Bart- oder Wangenfleck

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Kehltupfen

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Brust

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Lauf

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Zehen – Wellensittich besitzen eine zygodactyle Anordnung. Das bedeutet:

  • der 1. und 4. Zeh zeigt nach hinten und
  • der 2. und 3. Zeh ist nach vorne gerichtet.
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Kralle – an jedem Zeh eine

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Schwanzfeder

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Steuerfedern

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Kloake – Körperausgang für die Verdauungs-, Geschlechts- und Exkretionsorgane

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Bauch

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Kropf – Nahrungsspeicher zum Vorquellen der Nahrung

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Handschwinge

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Ohr – verdeckt von Federn

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Auge – neben RGB Farben auch UV erkennen, zudem wird es durch 3 Augenlieder geschützt.

Innere Organe des Wellensittich

Innere Organe beim Wellensittich

Anatomie der inneren Organen
Bildquelle: budgie-info.com

Das Bild zeigt zwar einen anderen Ziervogel, doch sind die inneren Organe bei jedem Vogel gleich angeordnet. Es zeigt die Vertreilung im Vogelkörper:

  • Kloake – dient zur Ausscheidung von Abfälle und Übertragung von Samen während der Paarung.
  • Rabenbein – kräftigster Knochen im Skelett, stütze für das Brustbein.
  • Ohr – ja, es ist ein Ohr … für das Hören.
  • Kropf – Speiseröhre – Vormagen – Magen – Darm – sind wichtige Organe für die Verdauung.
  • Niere – führt viele lebenswichtige Funktionen durch, einschließlich Beseitigung von Abfällen und absorbieren von Giftstoffe.
  • Leber – Produktion von Hormonen und Galle für die Verdauung hat.
  • Lunge – Transfer von Sauerstoff aus der Luft in die Blutbahn.
  • Brustmuskeln – die großen Brustmuskeln verwendet, um die Flügel zu schlagen.
  • Rippen – umgeben die Brust der Vögel, um die wichtigen Organe wie Herz und Lunge zu schützen.
  • Zunge – verwendet für die Verkostung von Lebensmitteln.
  • Luftröhre – die Röhre, die Luft trägt zu den Lungen transportiert.
  • Harnleiter – trägt Harnsäure aus den Nieren zur Kloake.
  • Samenleiter – ein Leiter für den Transport von Samen aus den Hoden.
  • Anuns – extern Teil der Kloake.

Skelett vom Wellensittich

Skelett vom Wellensittich

Wellensittich Skelett nach Dr. Gheorghe Constantinescu

Beim Skelett des Wellensittichs ist zu sehen, wie perfekt die Natur arbeitet. Alle Knochen sind frei von Mark, somit hohl und besonders leicht. Der gesamte Knochenbau beträgt gerade mal 9 % des Gesamtgewichts und ist äußerst Belastungsfähig. Als besonders guter Flieger muss das Skelett auch viel aushalten.

Durch die Verschmelzung verschiedener Knochen in der Beckengegend, ist der Knochenapparat den schnellen Richtungswechsel im Flug gewachsen. Stabilität erhält das Skelett vom Wellensittich durch das Rabenbein. Dieser Knochen liegt vertikal als Stab und gibt den Brustkorb besonderem Schutz. Teile des Schnabels und die Beine sind zudem mit dem Skelett verbunden, Stöße werden so besser absorbiert.

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