Tag der Deutschen Einheit – Vogelzüchter zu DDR-Zeiten

Vogelzüchter vor der Deutschen Einheit

Heute feiern wir alle den Tag der Deutschen Einheit, für mich ist es ein guter Anlass vielen (jungen) Vogelfreunden einen kleinen Einblick in die Geschichte der Vogelzucht zu DDR-Zeiten zu geben.

Für vielen von uns ist es heute eine Selbstverständlichkeit einen Vogel in Zoohandlungen, beim Züchter und/oder Tierheimen zu erwerben. Und selbst das Züchten kann heute, nach der Abschaffung der Zuchterlaubnis von Wellensittichen, niemanden mehr verboten werden. Das war aber nicht immer so einfach zu vor der Wende, gab es für Vogelhalter und Vogelzüchter so einige Hindernisse zu überwinden.

Vogelzüchter vor der Deutschen Einheit

Wer sein Hobby zu DDR-Zeiten ausleben wollte brauchte vor allem gute Beziehungen, eine Menge Geld und eine Menge handwerkliches Geschick. Vögel, Vogelzubehör und Vogelfutter waren nicht so einfach zu kaufen, wie es heute der Fall ist. Aber der Reihe nach, lass uns gemeinsam eine Zeitreise unternehmen und stellen wir uns vor du bist ein Vogelfreund zu DDR-Zeiten und möchtest eine Hobbyzucht aufbauen.
Bevor du nun die Vögel besorgst brauchst du eine schöne Zuchtanlage. Das wird jetzt etwas schwierig, es gibt keine Baumärkte so wie du sie kennst, es gab die BHG (bäuerliche Handelsgenossenschaft). Die Handelsgenossenschaft war aber nicht so ausgestattet, wie OBI, Bauhaus, Hagebau usw., also musst du anders an die Baumaterialien gelangen. Dazu brauchte man Kontakte (Beziehungen), Geld, Handelswaren bzw. Dienstleistungen und ein bisschen kriminelle Energie. „Aus unseren Betrieben ist noch viel mehr rauszuholen!“ (Erich Honecker 1981) nahmen viele Arbeiter wörtlich und so wurde, was gebraucht wurde, aus den Betrieben mitgenommen. Andere Menschen konnten durch Handelswaren (Dienstleistungen) an gewünschte Güter gelangen oder man hatte das passende Kleingeld. Viele Vogelfreunde nutzen vor der Deutschen Einheit Inserate, um an Draht für die Volieren und weitere Materialien zu gelangen. Dazu mussten sie nicht selten mehrere hunderte Kilometer fahren. Nach einem Jahr hast du es geschafft, die Vogelzuchtanlage steht und der Besatz kann beginnen.

Vogelverein war Pflicht vor der Deutschen Einheit

Wie bereits erwähnt kam man als Züchter nicht so einfach an die Tiere und besonders an das Futter. Deshalb war es zu DDR-Zeiten Pflicht in einem Vogelverein zu sein. Neben den Kontakten die man sich dort aufbaute, bekam man am Anfang des Jahres seine Ration Futter anteilmäßig zugeteilt. Also der Vogelverein hatte X Mitglieder mit X Vögel, in deinem Bestand sind 10 Paare Wellensittiche. Jetzt wurde z. B. X Kilogramm Hirse auf die gesamten Vogelzüchter durch den Futterward aufgeteilt und es konnte passieren, dass du 2 Kg Hirse pro Jahr für deine Vögel erhältst.

Anmerkung

2 kg Hirse kaufe ich bei fast jeder Bestellung und das mindestens 5 mal im Jahr. Du musst dir vorstellen, dass alles Rationiert wurde. Vogelzüchter bekamen vor der Deutschen Einheit nur Futter für 10 Wellensittich-Paare, wer 12 hatte bekam nicht mehr.

Neben den Eintritt in einen Vogelverein mussten Vogelzüchter zu DDR-Zeiten im VKSK sein, dieses Berechtigte einen sein zugewiesenes Futter bei der BHG zu holen. Für Vogelvereine selbst war es natürlich ein Glücksfall und die Wende war für etliche Vereine ein großer Schock. Nicht nur das viele Vereinsmitglieder sich neue Arbeit suchen mussten oder in ein anderes Bundesland zogen, auch die Nachwuchsförderung der Vogelvereine stand auf der Kippe.

Vogelvereine zu DDR-Zeiten

Alte Vereinsmitglieder sprechen gerne von den „Goldenen Zeiten“, denn Vogelausstellungen waren für viele Menschen eine sehr bunte Abwechslung im grauen Alltag. Zu hunderten standen die Menschen in der Schlange, um einen Blick auf die Exotischen Vögel zu werfen und mit den Züchtern ins Gespräch oder in Verhandlungen zu kommen.

Als Vogelhalter hatte man die Möglichkeit in Zoohandlungen Tiere zu erwerben und Futter zu kaufen, was sich meist auf die Futtergrundmischung beschränkte. Dort erhielt man auch Käfige und Käfigzubehör, anders als heute waren diese Waren sehr preiswert. Vogelsand kauften die Menschen häufig in kleinen Abpackungen (1 kg Tüte 0,80 DDR-Mark), diese gab es in der Drogerie. In beiden deutschen Ländern war der Tierschutzgedanke aber noch nicht so hoch wie heute. So wurden die Vögel häufig einzeln gehalten, weshalb die Tierhalter mit den Produkten sehr lange auskamen.

Ich bedanke mich recht herzlich beim Verein für Vogelschutz Rostock Süd 1964 e.V., die mir viele Informationen und Einblicke für diesen Artikel gaben. Du hast eigene Erfahrungen mit der Vogelzucht zu DDR-Zeiten, dann berichte uns wie du die Vogelzucht vor der Deutschen Einheit erlebt hast.

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